Älteren Migranten eine Stimme geben
Paul Sütterlin, Vertreter von Pro Migrante und Mitglied der Basler Seniorenkonferenz
Ausländerthemen begleite(te)n Paul Sütterlin einen Grossteil seines Lebens, sowohl früher in Diensten des Bundes wie auch heute noch als Vertreter der Organisation Pro Migrante innerhalb der Basler Seniorenkonferenz.
Statt einer Diskussion über Migranten im Rentenalter steht im Gespräch mit Paul Sütterlin zuerst ein anderes Thema im Mittelpunkt: Erst wenige Wochen sind es her, seit das Mitglied der Basler Seniorenkonferenz aus Japan wieder in die Heimat flog. Das genaue Rückreisedatum war der 11. März 2011, der Tag des verheerenden Bebens und des Tsunamis: Rund 50 Minuten vor dem Unglück flogen wir von Tokio ab, erinnert sich der 68-Jährige. Der Captain habe die Passagiere in der Luft über das Ereignis unter ihnen informiert. Bei der Ankunft in München seien sie mit Plakaten auf Orte hingewiesen worden, denen das Erdbeben besonders zugesetzt hatte. Das war ein sehr emotionaler Moment, nicht zuletzt für meine Frau (schweizerisch/amerikanische Doppelbürgerin), die lange Zeit in der Gegend von Kobe gelebt hat, sagt er. Kobe war 1995 ebenfalls von einem starken Erdbeben heimgesucht worden. Eine kleine Anekdote am Rande: Paul Sütterlin plante ursprünglich sogar eine Woche länger in Japan zu bleiben. Schliesslich sei der Wunsch, am 14. März dem Morgestraich beizuwohnen, dann aber doch stärker gewesen.
Vom Ausland zu Ausländerthemen: Insgesamt 37 Jahre lang war Paul Sütterlin in unterschiedlichen Funktionen beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement tätig, zuletzt als Adjunkt der Ausländerkommission. Diese Kommission kümmert sich um die Integration von Migranten. Nicht weniger als sieben Bundesratsmitglieder waren irgendwann Sütterlins Chefs, angefangen von Ludwig von Moos bis zu Christoph Blocher. Wer ist ihm von den Magistraten am positivsten in Erinnerung geblieben? Sütterlins Antwort: Elisabeth Kopp.
Ausländerpolitik fesselt den inzwischen Pensionierten Paul Sütterlin auch heute noch. In der Basler Seniorenkonferenz vertritt er die Interessen von Pro Migrante. Dieser Verein setzt sich zum Ziel, die Lebenssituation älterer Migranten in der Schweiz zu verbessern. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts prägte der Schriftsteller Max Frisch den einprägenden Satz Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen. Damals herrschte die Vorstellung, dass diese Migranten die Schweiz nach einigen Berufsjahren wieder verlassen würden. Doch dem war nicht so. Rund zwei Drittel bleiben auch nach dem Ende ihrer Berufstätigkeit hier.
Eine Integrationspolitik, wie man sie heute kennt, gab es damals noch nicht, konstatiert Paul Sütterlin. Das Resultat ist bekannt: Die erste, vor allem aus Italienern und Spaniern bestehende Ausländergeneration hatte wenig bis keine Bildungschancen. Zudem leiden heute Migranten im Pensionsalter unter den Spätfolgen ihrer körperlichen Anstrengung, vornehmlich aus dem Bau. Ihr Gesundheitszustand ist im Durchschnitt schlechter als derjenige der vergleichbaren Schweizer Bevölkerung. Sie sind zudem oft schlecht integriert, sprechen nach wie vor kaum Deutsch (vor allem viele Frauen) und verfügen auch über weniger finanzielle Mittel.
Erst in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hätten Behörden und soziale Institutionen begonnen, sich vertieft mit der Alterung der Migrationsbevölkerung auseinanderzusetzen. Paul Sütterlin zählt selbst zu diesen Pionieren. So gründete er 2003 zusammen mit Pro Senectute das nationale Forum Alter & Migration.
Pro Migrante möchte laut Paul Sütterlin mithelfen, die Lebenssituation der älteren Migranten zu verbessern. Zu diesem Zweck bietet der Verein für ältere Migranten in der Region Basel unter anderem Kurse an (z.B. Altersvorbereitungskurse, Altersturnen). Er betreibt zudem Grundlagenarbeit zur Erforschung der Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten und vernetzt sich mit nationalen und internationalen Partnern. Auch fördert er Aus- und Weiterbildungsmassnahmen von Personen, die in ihrer Arbeit mit der Problematik des Alterns in der Fremde konfrontiert sind.Paul Sütterlin: Die Migrantinnen und Migranten, die ein Leben lang hier gearbeitet haben, verdienen es, in Würde zu altern.